Anja Glover junge Moderatorin
09 - 03 - 2020

 

 

Zwischen

Leistungsdruck

& Selbstverwirklichung

 

 

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Am 6. Berufsbildner-Forum Obwalden wurde das Thema «Jugendliche zwischen Leistungsdruck und Selbstverwirklichung» behandelt. Bei dieser Ausgabe standen die Lernenden im Zentrum. Wie gehen Lernende mit den Anforderungen von verschiedensten Seiten und dem täglichen Leistungsdruck um? Wie möchten Lernende ihre Zukunft gestalten? Wie können sich Lernende unter diesem Leistungsdruck verwirklichen?

Zu diesem Thema folgten die zahlreich erschienen Gäste den Ausführungen des Zürcher Experten Prof. Dr. phil. Allan Guggenbühl. Aber nicht nur der renommierte Psychologe schilderte seine Erfahrungen, beim Podiumsgespräch kamen auch auserwählte junge Erwachsene zur Sprache. So unterschiedlich ihre Laufbahnen auch aussahen, eines hatten sie gemeinsam: Sie alle sind auf dem Weg der Selbstverwirklichung, leben ein selbstbestimmtes (Berufs-)Leben, kennen aber auch den Leistungsdruck.

Was wollen wir von Jugendlichen?

Nach der Begrüssung des Gemeindepräsidenten Beat von Wyl und thematisch einführenden Worten des Bildungsdirektors Christian Schäli, betrat der Kinder- und Jugendpsychologe Allan Guggenbühl die Bühne. Er ging darauf ein, dass es für Jugendliche oft schwierig sei, abzuschätzen, was wirklich von ihnen verlangt würde. Sie müssten sich mit ganz vielen Themen auseinandersetzen und würden oft so erzogen, dass sie für möglichst viele potenzielle Berufsfelder gut vorbereitet seien. Dadurch steige der Druck schon relativ früh.

 

Selbständigkeit

Unter der Moderatorin Anja Glover berichteten die Podiumsteilnehmenden von ihren Erfahrungen und davon, inwiefern sie sich selbstverwirklicht und/oder unter Druck fühlen.

Auch auf das Thema Selbstständigkeit wurde während der Diskussion eingegangen. Während Allan Guggenbühl betonte, dass die Selbständigkeit keinesfalls für jede/r und oftmals auch eine Illusion von jungen Menschen sei, erklärte beispielsweise Markus Hurschler, Geschäftsleiter und Mitinhaber von Pastarazzi, dass er schon immer «etwas Eigenes machen wollte.» Damit ist er nicht alleine. Auch Cornel von Wyl finanziert bereits in jungem Alter sein Vollzeitstudium dank seiner Selbständigkeit im Webbereich alleine. Darauf sei er besonders stolz. Wie er alles unter einen Hut bringen würde, wisse er manchmal selber nicht so genau, aber Prioritäten zu setzen, sei sehr wichtig. Während Hurschler die Selbstverwirklichung vor allem in seiner Familie und nicht im Beruf erfahre, erwähnt Cornel von Wyl zusätzlich den Sport. Auch Lea Hollenstein kennt die Schwierikgeiten der Selbständigkeit. Als Floristin wird bewusst, dass der Druck der Respräsentation etwa in den sozialen Medien nicht nur eine Mode unserer Zeit ist, sondern fürs Geschäft unerlässlich ist. «Ich muss definitiv präsent sein, viele meiner Aufträge erreichen mich übers Internet.»

Der Sinn der Aufgabe

Was schnell bewusst wird: Die Lebenswege der Teilnehmenden unterscheiden sich sehr und sind nicht zwingend linear. «Ich musste ein paar Umwege gehen und auch mit Niederschlägen umgehen, um heute hier zu sein, wo ich sein will», sagt Isabel Müller. Auch Allan Guggenbühl war nicht immer Psychologe: «Normalität gibt es nicht, das ist so eine Fiktion, die herumgeistert. Wenn man Biografien und Lebensläufe vergleicht, merkt man, dass sie sich unterscheiden. Einen normalen respektive «geraden» Lebenslauf gibt es nicht. Das hat auch damit zu tun, dass wir uns in der Persönlichkeit wie auch im Denken diese Verschiedenheit heute anders ausdrückt, nämlich auch im Beruf. Früher sei der Beruf etwas zum Überleben gewesen. Damals habe man keine oder nur wenige Wahlfreiheiten gehabt.  Heute hat man viel mehr Möglichkeiten, daher gibt es den «normalen Weg» gar nicht mehr.

In einem Punkt werden sich alle einig: Ziel ist es letztlich, einen Beruf oder Lebensweg zu finden, der zum eigenen Wesen passt. Eine Aufgabe, in der man sich wohlfühlt. «Die Aufgabe, mit der man sich beschäftigt, muss vor allem für einen selber Sinn ergeben», so Isabel Müller.